

Nach der ersten Verliebtheit, die ein halbes bis vier Jahre andauern kann, kehrt langsam der von vielen gefürchtete Alltag in die Partnerschaft ein. Jetzt werden die Weichen für die eigentliche Beziehung gesetzt und entscheiden über deren weiteren Verlauf. Die Anforderungen an eine Partnerschaft sind gerade heute sehr hoch und passen erstaunlicherweise nicht zu dem geringen Engagement, das dafür meist aufgebracht wird. Die Beziehung soll dann aber doch als Garant für immerwährendes Glück dienen.
Aus Angst vor dem gefürchteten Alltagstrott verfallen manche Paare regelrecht in Aktionismus, nur um damit der gefürchteten Langeweile zu entgehen. Sie veranstalten einen Freizeitstress, bei dem jede freie Minute mit Programm gefüllt wird. Außerdem müssen immer viele Freunde mit dabei sein. Was ist denn so negativ an Zweisamkeit? Viele Menschen verbinden damit Vereinnahmung, Freiheitsverlust und Langeweile. Das oft nicht gerade positive Beziehungsvorbild der eigenen Eltern spielt dabei eine wesentliche Rolle. Man möchte schließlich nicht genauso enden. Aber wie geht das?
Sobald man eine Partnerschaft über einen längeren Zeitraum einfach nur laufen lässt, wird es auch tatsächlich langweilig. Das oft negative Vorbild der eigenen Eltern trägt das Seine dazu bei. Es war in der Generation der Eltern einfach nicht üblich Zeit und Energie in eine Beziehung zu investieren. Das Entscheidende dabei ist, dass jeder Partner ein gewisses Eigenleben führen kann und den Anderen immer wieder daran teilhaben lässt. Das bedeutet weder ein Nebeneinander noch eine Dauerverschmelzung, sondern ein Miteinander, das aus zwei verschiedenen Menschen besteht. Auf diese Art und Weise bleibt auch eine gewisse Spannung zwischen den Beiden erhalten, die die Grundvoraussetzung für eine lebendige Sexualität bildet.
Auch Highlights in Form von zwischendurch aufflammenden Verliebtheitsgefühlen können sich in Langzeitbeziehungen einstellen. Natürlich sind diese Schmetterlinge im Bauch aber kein ständiger Begleiter, denn eine Dauerverliebtheit wäre körperlich und psychisch nicht auszuhalten.
Entscheidend für die Tiefe einer Beziehung sind auch gemeinsame Projekte, die das Paar fordern. „Nur“ Kinder und Hausbau sind leider nicht ausreichend, weil beides zeitlich begrenzt ist und der wirkliche Kontakt zueinander dabei häufig verloren geht. Durch Gespräche, die über Organisatorisches hinausgehen, kann man den Draht zueinander immer wieder herstellen. Am Besten miteinander über Wünsche, Sehnsüchte, Träume, Zukunftsfantasien und Ängste sprechen, das schafft wirkliche Nähe. Trotzdem sollte jeder Partner noch ein paar kleine Geheimnisse für sich behalten dürfen.
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