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Die berufstätige Mutter

19.09.2010 Rubrik: Paarberatung, Eheberatung, Erziehungsberatung

kämpft an vielen Fronten

Egal wie alt die Kinder sind, morgens geht es in Familien meistens stressig zu. Entweder ist die Mutter nach einer durchwachten Nacht selbst müde, oder sie bekommt Ihre älteren Kinder nur schwer aus dem Bett. Jedenfalls hat sie vor ihrem Gang zur Arbeit schon viel geleistet. Manchmal wird sie sogar selbst am Arbeitsplatz noch gestört, weil sie von der Lehrerin oder Erzieherin gebeten wird ihr fieberndes Kind abzuholen, oder die Kinder rufen sie wegen irgendwelcher Fragen selbst an. Väter werden übrigens selten von Lehrern und Erziehern angerufen, sie sitzen nämlich häufig in wichtigen Meetings und dürfen nicht gestört werden.

Auch das tägliche Arbeitsende bereitet der berufstätigen Mutter häufig ein schlechtes Gewissen, weil ihre männlichen Kollegen oder kinderlosen Kolleginnen noch alles aufarbeiten können, während bei ihr Einiges liegen bleibt. Natürlich schlägt sich das in unterschiedlichen Gehältern und ihren fehlenden Aufstiegschancen nieder. Ihre Kinderpause hatte sie beruflich zusätzlich zurückgeworfen. Mit interessanten und verantwortungsvollen Aufgaben wird sie seither sowieso nicht mehr betraut. Klagt sie bei ihrem Mann darüber, so meint er dazu nur, dass sie doch gar nicht (so viel) arbeiten brauche, weil er schließlich genug verdiene und sie doch Kinder und Berufstätigkeit wollte. Auch nachts brauche er seinen Schlaf, weil er der Hauptverdiener sei und außerdem die Kinder sowieso nicht höre. Manchmal führt das bei der Frau zu einem Wutanfall, meistens resigniert sie aber auch nur, weil es ihren Freundinnen auch nicht besser ergeht.

Eine Alternative wäre eine Kinderfrau oder ein Au-pair, die die Kinder auch im Krankheitsfall (der Kinder) und bei längeren Arbeitszeiten der Mutter betreut. Das können sich aber nur Besserverdienende leisten und die Frauen werden dadurch vom Umfeld schnell als Rabenmutter abgestempelt. Ihre eigenen, sowieso schon ständig schwelenden Schuldgefühle werden dann noch zusätzlich geschürt. 

Welche Rolle spielt aber der Vater? An dieser Stelle möchte ich allen engagierten Vätern, die sich in gleicher Weise um ihre Kinder kümmern wie ihre berufstätige Frau, mitteilen, dass sich dieser Artikel nicht an sie richtet, sie sich aber in der Minderheit befinden. Trotz der Möglichkeit der Elternzeit betrachten aber die meisten Männer ihre Kinder immer noch als die Hauptaufgabe ihrer Frau. Sie identifizieren sich mehr mit ihrem Beruf als mit der Vaterrolle. Kinder sind natürlich eine schöne Ergänzung in ihrem Leben, aber dafür beruflich zurückzustecken kommt für die Wenigsten in Frage. Diejenigen, die ihre Flexibilität am Arbeitsplatz wegen ihres Nachwuchses einschränken, müssen nämlich genauso wie ihre Kolleginnen mit beruflichen Einbußen rechnen.

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