

Jeder glaubt nach einigen Jahren des Zusammenlebens die sexuellen Vorlieben des Partners zu kennen. Man hat schon so oft miteinander Sex gehabt und dabei gespürt, wie der Andere auf Dieses oder Jenes reagiert und daraus dann seine Schlüsse gezogen. Leider nicht immer die Richtigen, wie es sich in der Sexualberatung oft herausstellt. Wirkliche Gespräche darüber kommen oft leider erst im geschützten Rahmen der Paartherapie zustande. Sie sind den meisten Paaren zu peinlich.
So selbstverständlich sprechen die Paare auch bei mir nicht gleich über Sex. Viele Menschen schämen sich gerade vor dem Partner die eigenen Wünsche offenzulegen. Deshalb lasse ich jeden jeweils über die vermuteten Vorlieben seines Partners berichten. Zunächst herrscht auch hier betretenes Schweigen, wenn ich nicht detailliert einzelne Bereiche der Sexualität abfrage. Das könnte folgendermaßen aussehen:
Dieser Fragenkatalog könnte beliebig fortgesetzt werden. Auf manche Fragen wissen die Partner keine Antwort, sie stellen dann Vermutungen an. Im Anschluss daran erhalten sie von ihrem Gefährten ein Feed-back. So Mancher muss sich während des Zuhörens, welche Vorlieben er der Meinung seines Partners nach hat, mühsam zurückhalten. Er ist dann regelrecht schockiert, wie falsch er von ihm eingeschätzt wird. Diese, oft gegenseitige, Unwissenheit gibt den Paaren dann doch zu denken.
Die gemeinsame Sexualität wird durch gelegentliche Experimente belebt. Hat man allerdings überhaupt keine Ahnung, was sexuell gesehen im Anderen vorgeht, verkneift man sich einiges, aus Angst davor ihn damit zu überfordern. Daraus ergibt sich eine reduzierte Sexualität, die nach einiger Zeit immer langweiliger wird oder ganz im Sande verläuft.
Interview mit Gabriele Leipold in MAXI September 2010 im Artikel: „Wir lieben uns wie Bruder und...
Gabriele Leipold als Expertin in BUNTE, Heft 32, 05.08.2010